gegen Kalkriese als Ort der Varusschlacht sind Folgende (vgl. Prof. Dr. Schoppe):

1. Handschleuder-Bleikugeln, Geschoss-Stahlbolzen und eiserne Katapultpfeile der Artillerie; deren Einsatz war in bewaldetem Gelände (bei Varus) nicht möglich, wird aber von Tacitus bei der Schilderung der Germanicus-Schlachten 16 n. Chr. auf dem Campus ldistaviso (an der Weser) und am Angrivarierwall (auf der Grenze zu den Cheruskern) ausdrücklich erwähnt;

2. ein germanischer Holz-Erde-Wall, der nur an einer Stelle überhaupt in den antiken Quellen vorkommt: nur bei der Germanicus-Schlacht am Angrivarierwall;

3. Militaria mit Kennungen der l. Legion (Kettenpanzerschließer des M. Aius) bzw. der Prima Augusta (Schwertscheiden-Mundblech LPA), die erst nach der Varus-Schlacht nach 9 n. Chr. aus Spanien nach Germanien verlegt wurde (Junkelmann, Die Legionen des Augustus, 1986); Varus führte die Legionen XVII (Minerva), XllX (Caudiana) und XIX (Cannensis) ins Verderben, während sein Legat Asprenas die V (Alaudae) und XXI (Rapax) heil an den Rhein zurückbrachte;

4. Silbermünzen (Denare X) von Gut Barenau hauptsächlich aus der republikanischen bzw. der letzten Bürgerkriegszeit mit Legions-Nummern: davon nur eine der drei Varus-Legionen (die XVII.) inn Hinterhalt des Armenius (33 %), aber fünf der acht Germanicus-Legionen am Angrivarierwall (63 %, doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit);

5. ein Bronzeglöckchen an der Wagendeichsel eines Einspanners, der die mobile Feldkapelle (Sacellum) transportierte; sogar das Maultier-Gerippe lag noch an Ort und Stelle unter dem eingestürzten Wall begraben; Germanicus (*15 v. Chr.) war der einzige römische Priester, der sich in dem fraglichen Zeitraum 9 bis 16 n. Chr. im Norden aufhielt; der Statthalter Varus hatte kein solches Amt inne; Augustus als Pontifex Maximus hatte Germanicus 4 n. Chr. zum Priesterkollegium kooptiert;

6. eine Gesichtsmaske, die offensichtlich vom umgeworfenen Kultwagen fiel und von der das dünne Silberblech abgerissen wurde; diese Kultmaske des Pontifex Germanicus wurde durch die Interpretation in Kalkriese zur „Reitermaske" und zum Logo; tatsachlich ist diese Larve (persona) wie eine Visitenkarte des „GaIus lulius Caesar Germanicus, Quindecimvir, Pontifex et Augur” auf dem silbernen Tablett, die sich Dr. Rottmann in Kalkriese aber von „Publius Quinctilius Varus, Praefectus Germaniae et lmperator" gewünscht hatte;

7. „Klapperbleche" (lamellae) eines Augur-Krummstabes (lituus) unter dem eingestürzten Wall, wie sie dem Caesar und Augur Germanicus zukamen, nicht aber Varus, der kein sakrales Amt bekleidete; da Germanicus sich bei der Schlacht von ldistaviso an der Weser im Sommer 16 n. Chr. noch (Tac Ann II, 17) als Vogelschauer betätigte, kann sein „Hirtenstab“ erst im Spatsommer 16 n. Chr. in die Erde gekommen sein; Augustus persönlich hatte (mit der Adoption des Nero Tiberius) die Inauguration des Germanicus 4 n. Chr. vorgenommen, als (auch) sein zweiter (ältester) Tochtersohn zu Tode gekommen und als Kronprinz ausgefallen war;

8. vom Engpass nach Westen in Richtung Ems trichterförmig verteilte Militaria, die den Durchbruch römischer Legionare dokumentieren, ganz sicher nicht aber die endgültige Vernichtung der Legionen im Engpass zwischen Kalkrieser Berg und Grohem Moor; im Kampfverlauf hatten die Legionäre, die Germanicus in den Wald Richtung Kalkrieser Berg geschickt hatte, die Straßensperre nördlich umgangen und dann die Germanen am Wall von Westen in die Zange genommen (Tac. Ann II, 20); bezüglich der Varus-Schlacht gibt es keinerlei Hinweise auf ein solches Geschehen;

9. der V-förmige Spitzgraben eines typisch römischen Marschlagers (erst 2016 entdeckt); dessen Bau durch eine aus dem Feld gezogene Legion 16 n. Chr. wird bei der Schilderung der Schlacht am Angrivarierwall von Tacitus (Ann. II, 21) explizit erwähnt; am Ende der Varusschlacht waren wohl keine Schanzarbeiten mehr möglich;

10. Goldmünzen aus einer Torflage der Niewedder Senke (2016); das Große Moor reichte vor dem Bau des Mittellandkanals bis dahin; 1867 wurden zwei augusteische Aurei von 2 v. bzw. 1 n. Chr. im Gemüsegarten des „Neuen Schlosses“ Barenau gefunden; Avers: Kopf des Augustus (Titular: Caesar Augustus Divi F Pater Patriae); Revers: Gaius und Lucius Caesares, principes iuventutis, mit Lituus/Krummstab des Augurats und simpulum/Opferkelle des Pontifikats (Söhne der lulia und des Agrippa, leibliche Enkel des Augustus, Umschrift: C L Caesares Augusti F Cos Desig Prins luvent); der Geschäftsführer Dr. Rottmann erklärte in seiner Pressemitteilung 2016, wieder durch die juristische Abduktionsmethode irregeleitet, es seien „acht Goldmünzen aus augusteischer, also aus der Varus-Zeit entdeckt worden“.